Akkorde

Barré-Akkorde lernen: Schritt für Schritt

Technik statt Kraft: wie Zeigefinger, Daumen und Ellbogen zusammenspielen, welche Fehler den Barré verhindern und wie du in vier Wochen dahin kommst.

Die wichtigsten Barré-Formen

13421
F-Dur (E-Form)Grundton auf der tiefen E-Saite
1341
F-Moll (Em-Form)
×13331
B-Dur (A-Form)Ringfinger greift D-, G- und H-Saite
×13421
H-Moll (Am-Form)Grundton auf der A-Saite

Lesart: senkrechte Linien sind die Saiten, links die tiefe E-Saite. Zahlen in den Punkten nennen den Finger (1 Zeigefinger bis 4 kleiner Finger), ○ heißt leer anschlagen, × heißt die Saite auslassen.

Barré in fünf Schritten

  1. Zeigefinger positionieren

    Finger gestreckt über die Saiten legen, leicht auf die Daumenseite drehen, direkt hinter das Bundstäbchen.

  2. Daumen tief setzen

    Daumen hinter dem Hals etwa gegenüber dem Zeige- oder Mittelfinger, deutlich tiefer als bei offenen Akkorden.

  3. Gewicht statt Kneifen

    Den Ellbogen leicht nach hinten ziehen und das Gewicht des Arms nutzen, statt nur mit dem Daumen gegenzudrücken.

  4. Akkordform aufsetzen

    Erst wenn der Zeigefinger sitzt, greifen Mittel-, Ring- und kleiner Finger die Form darüber.

  5. Saite für Saite prüfen

    Alle Saiten einzeln anschlagen, nur den Finger korrigieren, der eine dumpfe Saite verursacht.

Barré-Akkorde lernst du am schnellsten, wenn du nicht auf Kraft setzt, sondern auf Technik. Der Zeigefinger liegt gestreckt und leicht gedreht direkt hinter dem Bundstäbchen, der Daumen sitzt tief hinter dem Hals, und der Druck kommt zu einem guten Teil aus dem Gewicht des Arms. Beginne mit Teil-Barrés auf wenigen Saiten, übe täglich nur wenige Minuten und arbeite dich Bund für Bund nach unten. Dieser Ratgeber zeigt die Technik im Detail, die häufigsten Fehler und einen Plan für die ersten vier Wochen.

Was ein Barré-Akkord ist

Beim Barré, oft auch Barrégriff genannt, übernimmt der Zeigefinger die Rolle des Sattels: Er drückt mehrere oder alle Saiten in einem Bund herunter. Die übrigen Finger greifen darüber eine Form, die du von offenen Akkorden kennst. Beim F-Dur ist das die Form von E-Dur, beim H-Moll die Form von A-Moll.

Der große Vorteil: Weil keine leeren Saiten mitklingen, lässt sich jede Barré-Form über das ganze Griffbrett verschieben. Eine einzige Form ergibt in jedem Bund einen anderen Akkord. Mit zwei Formen für Dur und zwei für Moll erreichst du damit jeden Dur- und Moll-Akkord, ohne neue Griffbilder zu lernen.

Warum Barré am Anfang fast nie klingt

Ein Finger ist nicht gerade. Er hat Gelenkfalten und eine weiche Unterseite, und genau dort verschwinden einzelne Saiten. Dazu kommt, dass Zeigefinger, Daumen und Arm zusammenarbeiten müssen, was die Hand bei offenen Akkorden nie gelernt hat. Die ersten Versuche klingen deshalb bei fast allen dumpf und schnarrend. Das liegt nicht an zu wenig Kraft, sondern an einer Feinabstimmung, die Zeit braucht.

Die Technik im Detail

Der Zeigefinger

Lege den Zeigefinger gestreckt über die Saiten und drehe ihn leicht auf die Seite, die zum Daumen zeigt. Diese Kante ist knöchern und härter als die weiche Unterseite und drückt die Saiten gleichmäßiger. Setze den Finger so nah wie möglich hinter das Bundstäbchen. Die Kuppe ragt etwas über die tiefe E-Saite hinaus.

Prüfe, welche Saiten unter einer Gelenkfalte liegen. Meist betrifft das die G- oder H-Saite. Schon ein paar Millimeter Verschiebung nach oben oder unten können reichen, damit die Saite auf festem Gewebe liegt.

Der Daumen

Bei offenen Akkorden darf der Daumen über den Halsrand schauen. Beim Barré gehört er tiefer hinter den Hals, ungefähr gegenüber dem Zeige- oder Mittelfinger. So entsteht eine Zange, die mit wenig Kraft auskommt. Drücke nicht mit voller Kraft, der Daumen ist eher Stütze als Presse.

Arm und Ellbogen

Der wichtigste Trick ist der Zug aus dem Arm. Halte den Ellbogen nah am Körper und ziehe ihn leicht nach hinten. Dadurch zieht das Gewicht des Arms den Zeigefinger auf die Saiten, und die Hand muss weniger kneifen. Wer nur mit Daumen und Fingern drückt, ermüdet nach wenigen Sekunden.

Die übrigen Finger

Erst wenn der Zeigefinger sitzt, setzt du Mittel-, Ring- und kleinen Finger. Sie greifen mit steilen Kuppen, genau wie bei offenen Akkorden. Bei der E-Form von F-Dur muss der Zeigefinger nur die tiefe E-, die H- und die hohe e-Saite selbst drücken. A-, D- und G-Saite übernehmen Ring-, kleiner und Mittelfinger.

Häufige Fehler und ihre Lösung

Fehler Woran du es merkst Lösung
Zeigefinger zu weit vom Bundstäbchen Mehrere Saiten schnarren Direkt hinter das Bundstäbchen rücken
Finger liegt flach auf der weichen Seite Mittlere Saiten klingen dumpf Leicht auf die Daumenseite drehen
Gelenkfalte über einer Saite Immer dieselbe Saite fehlt Finger ein paar Millimeter verschieben
Daumen zu weit oben Hand ermüdet schnell, wenig Druck Daumen tiefer hinter den Hals
Nur Kraft aus der Hand Krampf nach wenigen Sekunden Ellbogen leicht nach hinten ziehen
Zu lange Übungseinheiten Schmerzen in Hand oder Unterarm Kurze Einheiten mit Pausen

Verschiebbare Formen: ein Griff, viele Akkorde

Die beiden wichtigsten Familien haben ihren Grundton auf der tiefen E-Saite oder auf der A-Saite. Der Grundton bestimmt den Namen des Akkords.

Bund E-Form (Grundton E-Saite) A-Form (Grundton A-Saite)
1 F B
2 Fis H
3 G C
5 A D
7 H E
8 C F

Im deutschen Sprachraum heißt der Ton zwischen A und H „B“, international „B flat“. Für Moll gilt dieselbe Tabelle mit der Em- bzw. Am-Form: Die Am-Form im zweiten Bund ergibt H-Moll, die Em-Form im fünften Bund A-Moll.

Teil-Barré: der sanfte Einstieg

Du musst nicht mit sechs Saiten beginnen. Viele Barré-Akkorde lassen sich zunächst als Teil-Barré spielen:

  • Kleines F mit Zeigefinger nur auf H- und e-Saite, die vier hohen Saiten werden angeschlagen. Alle Varianten dazu stehen im Ratgeber F-Dur ohne Barré.
  • H-Moll auf vier Saiten: Zeigefinger im zweiten Bund auf der hohen e-Saite, Mittelfinger im dritten Bund der H-Saite, Ringfinger auf der D-Saite und kleiner Finger auf der G-Saite, beide im vierten Bund. Die beiden tiefen Saiten bleiben stumm.
  • Powerchords auf zwei oder drei Saiten trainieren Position und Verschieben, ganz ohne Barré.

Erst wenn diese Formen sauber klingen, nimmst du schrittweise weitere Saiten dazu.

Übungsplan für vier Wochen

Woche Schwerpunkt Täglich
1 Nur der Zeigefinger: im 5. Bund über alle Saiten legen, Saite für Saite anschlagen 5 Minuten
2 Teil-Barrés: kleines F, H-Moll auf vier Saiten, dazu die E-Form im 5. Bund (A-Dur) 5 bis 8 Minuten
3 Volle E- und A-Form im 5. Bund, dann Bund für Bund nach unten bis zum 1. Bund 8 Minuten
4 Wechsel zwischen offenem Akkord und Barré, etwa C und F oder G und Hm, mit Metronom 10 Minuten

Ein Hinweis zur Dauer: Übe Barré in kurzen Blöcken und lass die Hand zwischendurch locker. Wer sich zehn Minuten am Stück in den Griff verbeißt, verkrampft und übt genau das Falsche. Lieber dreimal am Tag drei Minuten.

Wenn es weh tut

Ein leichtes Ziehen in den Fingern und müde Muskeln sind am Anfang normal. Auch die Fingerkuppen, vor allem die Seite des Zeigefingers, brauchen Zeit, um sich an den Druck zu gewöhnen. Was bei wunden Kuppen hilft, steht im Ratgeber Fingerkuppen tun weh.

Schmerzen im Handgelenk, im Daumenballen oder im Unterarm sind dagegen ein Warnsignal. Dann sofort aufhören, die Haltung prüfen und die Übungszeit verkürzen. Halten die Beschwerden an, lass sie ärztlich abklären.

Prüfe auch die Gitarre

Eine zu hohe Saitenlage, vor allem am Sattel, macht Barré im ersten Bund ungleich schwerer. Wenn die Form im fünften Bund gut klingt, im ersten aber trotz aller Technik nicht, kann die Gitarre die Ursache sein. Eine Werkstatt kann Saitenlage und Sattel prüfen. Auch dünnere Saiten erleichtern den Einstieg.

Mehr zu den offenen Grundakkorden, auf denen alle Barré-Formen aufbauen, findest du im Ratgeber Gitarrenakkorde lernen.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wie lange dauert es, Barré-Akkorde zu lernen?
Bei den meisten dauert es Wochen bis Monate, bis ein Barré zuverlässig sauber klingt. Das ist normal. Wer täglich wenige Minuten gezielt übt, kommt schneller voran als mit langen, verkrampften Einheiten.
Brauche ich viel Kraft in der Hand für Barré?
Weniger, als die meisten denken. Entscheidend sind die Position des Zeigefingers direkt hinter dem Bundstäbchen, die leichte Drehung auf die harte Fingerkante und der Zug aus dem Arm. Wer den Hals mit dem Daumen zusammenpresst, verbraucht viel Kraft und klingt trotzdem nicht besser.
Warum klingen bei meinem Barré die mittleren Saiten nicht?
Meist liegen G- oder H-Saite unter einer Gelenkfalte des Zeigefingers. Verschiebe den Finger ein paar Millimeter nach oben oder unten oder drehe ihn etwas stärker auf die Seite, bis die Saite auf festem Fingergewebe liegt.
In welchem Bund sollte ich mit Barré anfangen?
Viele Lehrbücher empfehlen, nicht im ersten Bund mit F-Dur zu beginnen, sondern weiter oben, etwa im fünften Bund. Dort liegen die Bünde enger zusammen und die Hand muss weniger spreizen. Wenn die Form dort klingt, rückst du Bund für Bund nach unten.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.