Linkshänder-Gitarre: Umdrehen oder umlernen?
Drei Wege für Linkshänder: spiegelverkehrte Gitarre, umgebaute Rechtshändergitarre oder rechtshändig lernen. Was die Wahl im Alltag bedeutet.
Als Linkshänder kannst du entweder eine spiegelverkehrt gebaute Linkshändergitarre spielen, eine Rechtshändergitarre umbauen lassen oder ganz normal rechtshändig lernen. Keiner der Wege ist falsch. Wer intuitiv mit der linken Hand anschlagen will und sich in der Rechtshänderhaltung unwohl fühlt, nimmt eine Linkshändergitarre. Wer sich in beiden Haltungen ähnlich ungeschickt fühlt, kann auch rechtshändig lernen und profitiert von der größeren Auswahl.
Warum die Frage nicht so eindeutig ist
Bei vielen Tätigkeiten ist klar, welche Hand die Hauptarbeit übernimmt. Beim Gitarrespiel ist das anders: Die Greifhand formt Akkorde, spreizt, drückt und wechselt präzise zwischen Bünden. Die Schlaghand hält den Rhythmus, zupft einzelne Saiten und dosiert die Lautstärke. Beide Aufgaben verlangen Geschick, nur eben unterschiedliches.
Deshalb gibt es zwei Denkschulen. Die eine sagt: Die dominante Hand gehört an die Saiten, weil der Rhythmus das Fundament ist. Die andere sagt: Die dominante Hand gehört ans Griffbrett, weil dort die feinmotorisch schwierigere Arbeit passiert. Beide Positionen haben ihre Anhänger, und es gibt bekannte Gitarristen auf beiden Seiten. Für dich zählt am Ende, welche Haltung sich nach einigen Tagen natürlicher anfühlt.
Die drei Möglichkeiten im Vergleich
| Option | So funktioniert es | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Linkshändergitarre | spiegelverkehrt gebaut: Saiten, Sattel, Steg, Elektronik passend | natürliche Haltung für viele Linkshänder, alles stimmt ab Werk | kleinere Auswahl, teils Aufpreis, Leihgitarren selten |
| Umgebaute Rechtshändergitarre | Saiten umgekehrt aufgezogen, Sattel und Stegeinlage angepasst | größere Auswahl an Modellen | Umbau kostet, nicht jede Gitarre eignet sich, Bedienelemente bleiben oft unpraktisch |
| Rechtshändig lernen | normale Gitarre, normale Haltung | volle Auswahl, jede Gitarre spielbar, Lehrmaterial passt direkt | kann sich anfangs ungewohnt anfühlen |
Eine vierte Variante wird gelegentlich gespielt: eine Rechtshändergitarre einfach umgedreht, ohne die Saiten neu aufzuziehen. Dann liegt die tiefe E-Saite unten, und alle Griffe müssen neu gedacht werden. Für Einsteiger ist das nicht zu empfehlen, weil Lehrmaterial, Unterricht und Griffbilder auf diese Spielweise nicht ausgelegt sind.
Linkshändergitarre: worauf du achtest
Eine echte Linkshändergitarre ist komplett gespiegelt. Bei Konzertgitarren betrifft das vor allem Sattel und Stegeinlage. Bei Westerngitarren kommen die schräg gestellte Stegeinlage, das Schlagbrett und bei manchen Modellen die innere Beleistung der Decke dazu. Bei E-Gitarren sitzen auch Regler, Schalter, Vibratohebel und Buchse auf der anderen Seite.
Beim Kauf gilt:
- Echte Linkshänderversion: Achte darauf, dass das Modell ab Werk als Linkshändergitarre gebaut ist, nicht nur umgesaitet.
- Anspielen: Die Auswahl im Laden ist kleiner. Frag vorher, welche Linkshändermodelle vorrätig sind, oder plane Zeit für Bestellung und Rückgabe ein.
- Gebrauchtmarkt: Gebrauchte Linkshändergitarren sind seltener, dafür ist die Nachfrage beim Wiederverkauf auch kleiner. Beides spricht dafür, beim Kauf etwas genauer hinzusehen.
Ein praktischer Tipp für den Kauf: Lass dir im Laden ausdrücklich bestätigen, dass Sattel und Stegeinlage für Linkshänder gearbeitet sind. Bei einer Gitarre, die nur umgesaitet wurde, liegen die dicken Saiten in zu schmalen Kerben, und die Oktavreinheit stimmt nicht. Beides merkst du als Anfänger kaum, es erschwert aber das saubere Spiel.
Rechtshändergitarre umbauen lassen
Ein Umbau kann sinnvoll sein, wenn du ein bestimmtes Modell spielen möchtest, das es nicht als Linkshänderversion gibt. Bei Konzertgitarren ist das vergleichsweise einfach, weil der Korpus symmetrisch aufgebaut ist und meist nur Sattel und Stegeinlage neu angepasst werden müssen. Bei Westerngitarren ist die Stegeinlage schräg eingesetzt, und das Schlagbrett sitzt auf der falschen Seite. Ein Umbau ist möglich, aber aufwendiger, und die Innenkonstruktion bleibt rechtshändig.
Bei E-Gitarren sitzen Regler und Schalter nach dem Umbau oben statt unten, wo die Schlaghand sie leicht berühren kann. Manche gewöhnen sich daran, andere finden es störend. Eine Gitarrenwerkstatt kann einschätzen, ob ein Umbau bei deinem Modell sinnvoll ist. Jimi Hendrix spielte als Linkshänder bekanntlich häufig umgedrehte und neu besaitete Rechtshändergitarren, das zeigt, dass der Weg funktioniert.
Rechtshändig lernen: ernst gemeinte Option
Viele Linkshänder lernen Gitarre auf einer Rechtshändergitarre und denken später nicht mehr darüber nach. Für Anfänger fühlen sich ohnehin beide Hände ungeschickt an, die Bewegungen sind für jeden neu. Der Vorteil ist praktisch: Jede Gitarre im Laden, im Proberaum oder bei Freunden ist sofort spielbar, und alle Griffdiagramme stimmen.
Rechtshändig lernen passt besonders, wenn du:
- bei anderen beidhändigen Tätigkeiten ohnehin rechtshändig arbeitest,
- im Selbsttest unten keine klare Vorliebe spürst,
- oft auf fremden Gitarren spielen möchtest, etwa in Gruppen oder auf Reisen.
Selbsttest: Welche Hand will schlagen?
Nimm dir für diesen Test eine Viertelstunde, am besten mit einer geliehenen Gitarre:
- Luftgitarre: Stell dir vor, du spielst ein Lied mit. Welche Hand schlägt intuitiv an?
- Rhythmus klopfen: Klopfe einen gleichmäßigen Takt mit jeder Hand auf den Oberschenkel. Mit welcher bleibst du länger stabil?
- Beide Haltungen: Halte eine Gitarre fünf Minuten rechtshändig und fünf Minuten linkshändig, schlage leere Saiten an und greife einen einfachen Akkord wie E-Moll.
- Gefühl prüfen: Fühlt sich eine Haltung völlig falsch an, oder sind beide gleich ungewohnt?
Fühlt sich die Rechtshänderhaltung richtig falsch an, nimm eine Linkshändergitarre. Sind beide ähnlich ungewohnt, ist rechtshändiges Lernen eine gute Option. Entscheidend ist, dass du dich vor dem Kauf festlegst. Ein späterer Wechsel bedeutet, viele Bewegungsabläufe neu zu lernen.
Linkshänder im Unterricht
Eine Lehrkraft, die rechtshändig spielt, kann Linkshänder problemlos unterrichten. Ihr sitzt euch dann gegenüber, sodass das Griffbild wie in einem Spiegel erscheint. Das ist sogar praktisch, weil du die Bewegungen direkt nachahmen kannst. Sprich das Thema beim ersten Termin offen an, damit die Lehrkraft Material und Sitzposition anpasst. Mehr zu den Unterrichtsformen steht im Ratgeber Gitarrenunterricht.
Lernmaterial für Linkshänder
Tabs bleiben gleich, weil sie nur Saiten und Bundnummern angeben. Akkorddiagramme zeigen das Griffbrett aus Sicht des rechtshändigen Spielers. Als Linkshänder spiegelst du sie gedanklich oder stellst in Lern- und Akkord-Apps, falls vorhanden, eine Linkshänderansicht ein. Videos lassen sich in manchen Playern spiegeln, was das Nachspielen erleichtert.
Häufige Irrtümer
„Linkshänder können nur auf Linkshändergitarren lernen.“ Falsch. Viele Linkshänder spielen rechtshändig, und zwar ohne Nachteile. Entscheidend ist, welche Haltung sich für dich richtig anfühlt.
„Eine Rechtshändergitarre umdrehen reicht.“ Nur wenn du bereit bist, mit der tiefen Saite unten zu spielen. Für die übliche Linkshänderhaltung müssen die Saiten neu aufgezogen und Sattel und Stegeinlage angepasst werden.
„Ich kann später immer noch wechseln.“ Theoretisch ja, praktisch kostet ein Wechsel nach einem Jahr viel Mühe, weil beide Hände ihre Aufgaben neu lernen müssen. Je früher die Entscheidung fällt, desto besser.
„Tabs muss ich umdrehen.“ Nein. Tabs zeigen Saiten und Bünde, nicht die Blickrichtung. Nur Akkorddiagramme und Videos musst du gedanklich spiegeln.
Kinder, die links schreiben
Bei Kindern lohnt dieselbe Probe wie bei Erwachsenen. Nicht jedes linksschreibende Kind will auch links anschlagen. Musikschulen und Lehrkräfte haben oft Erfahrung damit und können nach ein paar Probestunden einschätzen, welche Haltung passt. Da Linkshänder-Kindergitarren in den kleinen Größen seltener sind, lohnt es sich, früh nachzufragen. Wie die passende Größe gefunden wird, zeigt der Ratgeber Gitarrengrößen für Kinder.
Fazit
Linkshänder müssen keine Kompromisse eingehen. Wer sich für die gespiegelte Haltung entscheidet, findet passende Instrumente, braucht beim Kauf nur etwas mehr Geduld. Wer rechtshändig lernt, gewinnt Auswahl und Flexibilität. Die Grundlagen sind in beiden Fällen dieselben, den Einstieg erklärt der Ratgeber Gitarre lernen für Anfänger. Allgemeine Kaufkriterien bündelt der Ratgeber Erste Gitarre kaufen.
Fragen und Antworten
- Müssen Linkshänder eine Linkshändergitarre kaufen?
- Nein. Viele Linkshänder spielen erfolgreich auf Rechtshändergitarren, weil beim Gitarrespiel beide Hände anspruchsvolle Aufgaben haben. Ob das für dich passt, zeigt ein kurzer Selbsttest: Welche Hand will intuitiv anschlagen? Fühlt sich die Rechtshänderhaltung nach einigen Minuten völlig falsch an, ist eine Linkshändergitarre die bessere Wahl.
- Kann man eine Rechtshändergitarre einfach umdrehen?
- Umdrehen allein reicht nicht, weil dann die tiefe Saite unten liegt. Für eine normale Linkshänderhaltung müssen die Saiten umgekehrt aufgezogen werden, und Sattel und Stegeinlage sollten angepasst oder getauscht werden. Bei Westerngitarren mit schräger Stegeinlage und bei E-Gitarren mit Bedienelementen ist der Umbau aufwendiger.
- Sind Linkshändergitarren teurer?
- Das hängt vom Hersteller ab. Manche Modelle kosten gleich viel, bei anderen gibt es einen Aufpreis, oder die Linkshänderversion ist nur in bestimmten Ausführungen erhältlich. Die Auswahl im Laden und auf dem Gebrauchtmarkt ist in jedem Fall kleiner.
- Funktionieren Tabs und Akkorddiagramme für Linkshänder?
- Tabs funktionieren unverändert, weil sie Saiten und Bünde angeben, nicht die Blickrichtung. Akkorddiagramme zeigen das Griffbrett dagegen meist aus Rechtshändersicht. Linkshänder müssen sie im Kopf spiegeln oder auf gespiegelte Diagramme zurückgreifen, die es in vielen Apps gibt.
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Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.