Gebrauchte Gitarre kaufen: Die Checkliste
Hals, Bünde, Risse, Steg, Elektronik: woran du eine gute gebrauchte Gitarre erkennst, was harmlos ist und welche Mängel teuer werden.
Bei einer gebrauchten Gitarre zählt vor allem, ob Hals, Bundstäbchen, Korpus und Steg in Ordnung sind. Kratzer und alte Saiten sind kosmetisch, ein verzogener Hals, Risse in der Decke oder ein sich lösender Steg dagegen echte Baustellen. Mit dieser Checkliste prüfst du eine Gitarre in einer Viertelstunde, auch wenn du selbst noch kaum spielen kannst. Am besten nimmst du trotzdem jemanden mit, der Gitarre spielt.
Was du zur Besichtigung mitnimmst
- Stimmgerät oder Stimm-App
- Plektrum
- Bei E-Gitarren: Instrumentenkabel und kleiner Verstärker oder Kopfhörerverstärker
- Taschenlampe, zum Beispiel vom Handy, für den Blick ins Schallloch
- Ein Blatt Papier oder eine dünne Karte für den Steg-Test
- Wenn möglich: eine Person, die Gitarre spielt
Bitte den Verkäufer, die Gitarre vor dem Termin nicht frisch zu stimmen oder neu zu besaiten. So siehst du, wie gut sie die Stimmung hält.
Die Checkliste
1. Hals
Halte die Gitarre waagerecht und peile von der Kopfplatte aus am Griffbrett entlang wie über einen Lauf. Eine leichte, gleichmäßige Durchbiegung ist normal und gewollt. Problematisch ist ein Hals, der verdreht ist, also auf der Bass- und der Diskantseite unterschiedlich verläuft, oder der einen deutlichen Knick hat.
Western- und E-Gitarren haben einen verstellbaren Halsstab, mit dem sich die Krümmung korrigieren lässt. Frag, ob er schon einmal nachgestellt wurde und ob noch Spielraum besteht. Lässt er sich nicht mehr drehen, ist das ein Warnsignal.
2. Bundstäbchen
Schau dir die Bundstäbchen in den ersten fünf Bünden genau an. Dort wird am meisten gespielt. Flache Stellen oder tiefe Rillen unter den Saiten führen zu Schnarren und unsauberen Tönen. Leichte Spuren sind normal, tiefe Kerben bedeuten, dass bald eine Bundbearbeitung oder ein Neubundieren fällig ist.
Fahre außerdem mit der Hand an beiden Halskanten entlang. Scharf überstehende Bundenden entstehen, wenn das Griffbrett durch trockene Luft geschrumpft ist. Das lässt sich in der Werkstatt beheben, ist aber ein Hinweis auf die bisherige Lagerung.
3. Korpus und Decke
Untersuche Decke, Zargen und Boden im Licht, auch schräg von der Seite. Risse im Holz, besonders in der Decke rund um Schallloch und Steg, sind ernst zu nehmen. Ein Blick mit der Taschenlampe ins Schallloch zeigt, ob innen Leisten gelöst sind oder bereits repariert wurde.
Wölbt sich die Decke hinter dem Steg stark nach oben, kann das an jahrelanger Saitenspannung liegen. Eine leichte Wölbung ist bei vielen Akustikgitarren normal, eine auffällige Beule nicht.
4. Steg
Versuche, ein Blatt Papier oder eine dünne Karte unter die hintere Kante des Stegs zu schieben. Gelingt das, löst sich der Steg von der Decke. Das ist reparierbar, aber nicht nebenbei. Auf keinen Fall eine Gitarre mit gelöstem Steg weiter unter voller Saitenspannung lagern.
5. Saitenlage und Halsansatz
Miss grob, wie hoch die Saiten im zwölften Bund über dem Bundstäbchen liegen. Liegen sie deutlich zu hoch und ist die Stegeinlage bereits sehr flach abgeschliffen, kann bei Akustikgitarren ein Problem am Halswinkel vorliegen. Diese Reparatur ist aufwendig. Bei E-Gitarren lässt sich die Saitenlage meist am Steg einstellen.
6. Mechaniken und Sattel
Drehe jede Mechanik: Sie soll gleichmäßig laufen, ohne Spiel und ohne Ruckeln. Prüfe den Sattel am Ende des Griffbretts auf Risse oder ausgefranste Kerben. Hält die Gitarre die Stimmung nicht, liegt es oft an Mechaniken oder Sattel, selten an den Saiten allein.
7. Oktavreinheit
Stimme die Gitarre. Spiele dann auf jeder Saite den Flageolettton über dem zwölften Bund und danach den gegriffenen Ton im zwölften Bund. Das Stimmgerät sollte bei beiden etwa denselben Ton anzeigen. Kleine Abweichungen sind normal und bei E-Gitarren meist am Steg einstellbar. Große Abweichungen bei einer Akustikgitarre deuten auf eine falsch gesetzte Stegeinlage, eine zu hohe Saitenlage oder einen verzogenen Hals hin.
8. Bespielen
Spiele jede Saite in jedem Bund an, zumindest bis zum zwölften Bund. Achte auf Schnarren, tote Töne, die sofort verstummen, und Bünde, in denen ein Ton gar nicht erklingt. Schlage dann ein paar offene Akkorde an und hör, ob die Gitarre ausgewogen klingt.
9. Elektronik bei E-Gitarren und Elektroakustik
- Jeden Tonabnehmer einzeln über den Wahlschalter testen.
- Jeden Regler langsam drehen: Kratzt oder setzt der Ton aus?
- Den Kabelstecker in der Buchse leicht bewegen: Bleibt der Ton stabil?
- Bei Elektroakustik-Gitarren: Batteriefach öffnen, auf Korrosion achten, Vorverstärker und eingebautes Stimmgerät testen.
Kratzende Potis lassen sich oft reinigen oder günstig tauschen. Eine wackelige Buchse ist ebenfalls schnell behoben. Funktioniert ein Tonabnehmer gar nicht, kann der Fehler größer sein.
Harmlos oder teuer? Die Übersicht
| Befund | Einschätzung |
|---|---|
| Kratzer, Lackabplatzer, Gebrauchsspuren | kosmetisch, meist harmlos |
| Alte, angelaufene Saiten | harmlos, neue Saiten kosten wenig |
| Saitenlage leicht zu hoch | meist per Einstellung lösbar |
| Kratzende Potis, wackelige Buchse | kleine Reparatur |
| Überstehende Bundenden | Werkstattarbeit, Hinweis auf trockene Lagerung |
| Leichte Rillen in den Bünden | Bundbearbeitung möglich |
| Tiefe Rillen, flache Bünde | Neubundierung, deutlich teurer |
| Riss in der Decke | Reparatur nötig, Einschätzung durch Fachleute |
| Gelöster Steg | Reparatur nötig |
| Verdrehter Hals, Halsstab am Anschlag | schwerwiegend, oft wirtschaftlicher Totalschaden |
| Gebrochene oder geleimte Kopfplatte | je nach Ausführung der Reparatur kritisch |
Liegen mehrere kleine Mängel vor, rechne die Kosten für eine Werkstatteinstellung mit ein. Ein fairer Preis berücksichtigt das.
Fragen an den Verkäufer
- Wie lange besitzen Sie die Gitarre, und wie wurde sie gelagert?
- Wurde sie repariert oder umgebaut, und wenn ja, von wem?
- Gibt es eine Rechnung oder Unterlagen zum Kauf?
- Wurden Teile getauscht, etwa Mechaniken, Tonabnehmer oder Sattel?
- Warum verkaufen Sie das Instrument?
Offene Antworten sprechen für den Verkäufer. Weicht jemand aus oder drängt zur schnellen Entscheidung, lass dir Zeit. Eine Rechnung oder ein Kaufbeleg kann auch beim späteren Wiederverkauf hilfreich sein.
Privatkauf, Händler und Versand
Privatkauf: Meist am günstigsten. Private Verkäufer schließen die Gewährleistung häufig aus, umso wichtiger ist die gründliche Prüfung vor Ort. Halte Kaufpreis, Zustand und bekannte Mängel in einem kurzen schriftlichen Kaufvertrag fest.
Händler: Gebrauchtinstrumente im Fachhandel sind oft etwas teurer, werden aber in der Regel geprüft und eingestellt. Kaufst du als Privatperson bei einem gewerblichen Händler, gilt auch für Gebrauchtware die gesetzliche Gewährleistung. Bei gebrauchten Sachen darf die Frist allerdings vertraglich verkürzt werden, die genauen Bedingungen stehen im Kaufvertrag.
Versand: Bitte um aussagekräftige Fotos von Kopfplatte, Halsansatz, Steg, Bundstäbchen und Elektronik sowie um ein kurzes Video, auf dem die Gitarre gespielt wird. Zahle nur über einen Weg mit Käuferschutz und bestehe auf guter Verpackung. Prüfe die Gitarre nach dem Auspacken sofort mit dieser Liste.
Typische Fallen bei Online-Anzeigen
- Fotos aus dem Internet: Bitte um ein Foto mit einem Zettel, auf dem Datum und dein Name stehen. Echte Verkäufer machen das ohne Umstände.
- Unrealistisch niedriger Preis: Liegt der Preis deutlich unter vergleichbaren Angeboten, sei besonders vorsichtig.
- Druck zur schnellen Zahlung: Seriöse Verkäufer lassen dir Zeit für Fragen und Besichtigung.
- Vage Angaben zum Zustand: „Gebrauchsspuren“ kann alles bedeuten. Frag gezielt nach Rissen, Reparaturen und dem Zustand der Bünde.
- Kein Probespiel möglich: Bei Abholung solltest du die Gitarre immer anspielen dürfen.
Nach dem Kauf
Ein frischer Satz Saiten und ein gründliches Säubern machen viele gebrauchte Gitarren hörbar besser. Danach lohnt es sich, die Gitarre richtig zu lagern, damit Hals und Holz stabil bleiben. Wie du Griffbrett, Korpus und Mechaniken pflegst, steht im Ratgeber Gitarre pflegen. Wie du das Instrument danach sauber stimmst, erklärt der Ratgeber Gitarre stimmen. Allgemeine Kriterien für die Wahl der passenden Gitarrenart findest du unter Erste Gitarre kaufen.
Fragen und Antworten
- Lohnt sich eine gebrauchte Gitarre für Anfänger?
- Oft ja. Gute Instrumente halten ihren Wert, und gebraucht bekommst du für dasselbe Geld häufig eine besser verarbeitete Gitarre. Als Anfänger solltest du aber jemanden mitnehmen, der Gitarre spielt, oder bei einem Händler kaufen, der gebrauchte Instrumente prüft und einstellt.
- Welche Mängel sind harmlos?
- Kratzer, kleine Lackabplatzer, alte Saiten und eine leicht verstellte Saitenlage sind meist unkritisch. Saiten kosten wenig, und eine Einstellung in der Werkstatt ist überschaubar. Kritisch sind dagegen Risse im Holz, ein verdrehter Hals, ein sich lösender Steg und Bünde mit tiefen Rillen.
- Was bringe ich zur Besichtigung mit?
- Ein Stimmgerät oder eine Stimm-App, ein Plektrum, bei E-Gitarren ein Kabel und wenn möglich einen kleinen Verstärker oder Kopfhörerverstärker. Eine Taschenlampe hilft beim Blick ins Schallloch. Am wichtigsten ist eine Person, die Gitarre spielt.
- Kann ich eine gebrauchte Gitarre auch per Versand kaufen?
- Ja, aber mit mehr Risiko. Bitte um Fotos von Halsansatz, Steg, Bundstäbchen und Kopfplatte sowie um ein kurzes Video, auf dem die Gitarre gespielt wird. Wähle einen Zahlungsweg mit Käuferschutz und achte auf gute Verpackung, denn Kopfplatten brechen beim Transport leicht.
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- Gitarre kaufen
Welche Gitarrenart zu welcher Musik passt, woran du ein gut spielbares Instrument erkennst und was beim Kauf im Laden, online und gebraucht zählt.
- Gitarre pflegen
Nach dem Spielen abwischen, Griffbrett beim Saitenwechsel reinigen, Luftfeuchte im Blick behalten: So bleibt deine Gitarre spielbar und klingt länger gut.
- Stimmen
Standardstimmung, Stimmgeräte und Apps, die Bundmethode nach Gehör, alternative Stimmungen wie Drop D und was der Kapodaster mit Tonarten macht.
Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.