Lagerfeuerlieder auf der Gitarre: Klassiker mit einfachen Griffen
Welche Lieder am Feuer funktionieren, mit welchen offenen Griffen du sie begleitest und wie der Kapodaster dafür sorgt, dass alle bequem mitsingen können.
Ein gutes Lagerfeuerlied braucht drei Dinge: eine Melodie, die alle kennen, einen Refrain zum Mitsingen und Akkorde, die du auch im Halbdunkel sicher greifst. Mit den offenen Griffen G, C, D, Em und Am kommst du bei den meisten Klassikern aus. Die folgenden Listen nennen traditionelle Lieder und einige bekannte Popsongs mit ihren Akkorden. Liedtexte stehen hier bewusst nicht, sie finden sich in Liederbüchern oder auf lizenzierten Songseiten.
Wer noch ganz am Anfang steht, beginnt mit den Liedern aus dem Artikel Lieder mit 3 Akkorden. Hier geht es eine Stufe weiter: Lieder mit vier oder fünf Akkorden, Mollstimmungen und Kapodaster-Tricks.
Was ein Lagerfeuerlied ausmacht
Am Feuer gelten andere Regeln als im Übungsraum. Die Gitarre ist Begleitinstrument, die Stimmen stehen im Vordergrund. Gefragt sind deshalb:
- Bekannte Melodien, damit niemand erst zuhören muss.
- Ein klarer Rhythmus, der auch ohne Schlagzeug trägt.
- Ein Refrain, bei dem alle einsteigen können.
- Bequeme Tonlage, weder zu hoch noch zu tief für ungeübte Stimmen.
Ein Solo oder eine anspruchsvolle Begleitung braucht am Lagerfeuer niemand. Ein gleichmäßiger Schlag, der die Gruppe zusammenhält, wirkt mehr als jede Verzierung.
Traditionelle Klassiker
Diese Lieder sind traditionell oder gemeinfrei. Die Akkordfolgen entsprechen der verbreiteten Begleitung in Liederbüchern, einzelne Ausgaben weichen in Tonart oder Zusatzakkorden ab.
| Lied | Herkunft | Akkorde | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Whiskey in the Jar | irisches Volkslied | G, Em, C, D | Refrain zum Mitsingen, kräftiger Achtelschlag |
| House of the Rising Sun | amerikanischer Folksong | Am, C, D, F, E | in Moll, klingt gezupft am besten |
| Scarborough Fair | englische Ballade | Am, G, C, D | Dreivierteltakt, ruhiges Zupfmuster |
| Molly Malone | irisches Lied | C, Am, Dm, G7 | Dreivierteltakt, Walzerschlag |
| Sloop John B | Volkslied von den Bahamas | G, C, D7 | entspannt, Refrain sehr eingängig |
| Auld Lang Syne | schottisches Lied | G, D, C, Em | traditionell zum Jahreswechsel |
| Kein schöner Land | deutsches Volkslied | D, G, A7, Em | klassisches Abendlied |
| Der Mond ist aufgegangen | deutsches Abendlied | D, G, A7 | ruhig, gut zum Ausklang |
Bei „House of the Rising Sun“ ist das F die einzige Hürde. Hier reicht die vereinfachte Form ohne Barré, und weil das Lied meist gezupft wird, fällt ein nicht ganz voller Klang kaum auf. Das E am Ende jeder Zeile führt zurück zum Am. Spiele es bewusst etwas länger, um die Spannung hörbar zu machen.
Bekannte Popsongs mit einfachen Griffen
Viele moderne Lagerfeuerhits basieren auf wenigen offenen Akkorden. Ihre Texte und Melodien sind urheberrechtlich geschützt, die Akkordfolgen helfen aber beim Üben und beim Begleiten nach Gehör.
| Song | Akkorde | Tipp |
|---|---|---|
| Knockin’ on Heaven’s Door | G, D, Am und G, D, C | zwei Akkordschleifen im Wechsel |
| Let It Be | C, G, Am, F | F als vereinfachte Form |
| Stand By Me | G, Em, C, D | Original in A, also Kapo 2 |
| Take Me Home, Country Roads | G, Em, D, C | Original in A, also Kapo 2 |
Die Folge aus Tonika, Moll-Parallele, Subdominante und Dominante, in G also G, Em, C, D, steckt in so vielen Songs, dass du sie unbedingt flüssig beherrschen solltest. Wer sie sicher wechselt, kann ganze Abende begleiten.
Kapodaster: Die richtige Tonlage für alle
Am Lagerfeuer ist der Kapodaster das wichtigste Zubehör. Er verschiebt alle Griffe um so viele Halbtöne nach oben, wie er Bünde vom Sattel entfernt sitzt. So spielst du immer dieselben vertrauten Griffe und passt nur die Tonhöhe an die Stimmen an.
| Griffe aus | Kapo im Bund | klingt in |
|---|---|---|
| G-Dur | 2 | A-Dur |
| G-Dur | 3 | B-Dur |
| C-Dur | 2 | D-Dur |
| C-Dur | 3 | Es-Dur |
| D-Dur | 2 | E-Dur |
| Am | 2 | Hm |
| Em | 2 | Fism |
Drei Tipps aus der Praxis:
- Am Refrain testen: Er liegt meist am höchsten. Wenn alle ihn bequem singen können, passt der Rest.
- Tiefer ist oft besser: Ungeübte Stimmen kommen in der Gruppe tiefer meist besser zurecht. Lieder, die im Original hoch gesungen werden, klingen am Feuer oft eine Stufe tiefer entspannter.
- Nach dem Setzen nachstimmen: Der Kapo drückt die Saiten etwas aus der Stimmung. Kurz nachprüfen lohnt sich.
Wie du den Kapodaster richtig setzt, damit nichts schnarrt, erklärt der Artikel Kapodaster richtig benutzen.
Eine Setlist für den Abend
Ein Abend am Feuer hat einen natürlichen Bogen, und die Liedauswahl sollte ihm folgen. Bewährt hat sich diese Reihenfolge:
- Einstieg mit Bekanntem: zwei oder drei Lieder, die wirklich alle kennen, im mittleren Tempo. Hier entscheidet sich, ob die Runde mitsingt.
- Mitsinglieder mit Refrain: kräftige Stücke wie „Whiskey in the Jar“ oder „The Wild Rover“, bei denen auch Textunsichere im Refrain einsteigen.
- Wünsche: Lass die Runde Lieder nennen. Was du nicht kennst, probierst du mit der Akkordfamilie nach Gehör.
- Ruhiger Ausklang: langsame Lieder in Moll oder Abendlieder wie „Der Mond ist aufgegangen“, gern gezupft.
Schreibe dir die Setlist mit Tonart und Kapobund auf einen Zettel. So musst du zwischen den Liedern nicht überlegen, und es entstehen keine langen Pausen.
Begleiten nach Gehör
Am Feuer kommen fast immer Wünsche, für die kein Liedblatt da ist. Mit der Akkordfamilie aus Tonika, Subdominante, Dominante und Moll-Parallele kannst du viele davon trotzdem begleiten. Beginne mit der Tonika, höre auf die Melodie und probiere bei einem schiefen Klang zuerst die Dominante, dann die Subdominante. Das gelingt nicht sofort perfekt, aber mit jedem Abend besser.
Zwei Gitarren am Feuer
Sind zwei Gitarren dabei, klingt es voller, wenn nicht beide dieselben Griffe spielen. Ein bewährter Trick: Die erste Gitarre spielt ein Lied in G-Dur mit offenen Griffen. Die zweite setzt den Kapo in den fünften Bund und spielt die Griffe aus D-Dur. Beide klingen in derselben Tonart, die zweite aber höher und heller. Statt G, C, D und Em greift sie D, G, A und Hm. Das funktioniert auch mit C-Griffen und Kapo im siebten Bund.
Schlagmuster für das Feuer
Für die meisten Lieder im Viervierteltakt passt das klassische Muster mit ausgelassener Drei. Für Walzer wie „Molly Malone“ oder „Scarborough Fair“ nimmst du ein Dreiermuster mit Betonung auf der Eins. Bei Balladen wie „House of the Rising Sun“ klingt ein Zupfmuster besser als ein Schlag. Wichtig ist am Feuer vor allem, das Tempo zu halten. Gruppen werden beim Singen gern schneller, die Gitarre sollte dagegenhalten. Ein Überblick über die Muster steht im Ratgeber Schlagmuster und Zupfmuster.
Packliste für den Abend
- Kapodaster, idealerweise einer, der sich schnell umsetzen lässt.
- Stimmgerät zum Anklemmen, weil Apps im Dunkeln und bei Gesprächen schwieriger sind.
- Plektren, gern zwei oder drei, eines geht immer verloren.
- Liederzettel mit Akkorden über den Zeilen, groß gedruckt und in einer Klarsichthülle.
- Gitarrentasche, damit Funken, Feuchtigkeit und Sand nicht ans Instrument kommen.
Halte die Gitarre in sicherem Abstand zum Feuer. Hitze und Funkenflug können Lack und Holz schaden. Lege sie in Pausen in die Tasche statt auf den Boden. Für den Übungsalltag vor dem Abend hilft ein fester Übungsplan, in dem die Lieder den Block am Ende jeder Einheit ersetzen.
Fragen und Antworten
- Welche Akkorde brauche ich für Lagerfeuerlieder?
- Mit G, C, D, Em und Am lässt sich ein Großteil der bekannten Lagerfeuerlieder begleiten. Dazu kommen gelegentlich A, E und F. Für F gibt es eine vereinfachte Form ohne Barré, und mit dem Kapodaster lassen sich viele Lieder in eine Tonart mit offenen Griffen verschieben.
- Wie finde ich die richtige Tonart für die Gruppe?
- Lass jemanden den Anfang des Refrains singen und begleite mit der Tonika. Klingt es angestrengt, setze den Kapodaster niedriger oder wähle eine tiefere Akkordfamilie. Klingt es gedrückt, setze ihn ein bis zwei Bünde höher. Der Refrain ist meist der höchste Teil des Liedes und deshalb der beste Test.
- Kann ich am Lagerfeuer eine Konzertgitarre benutzen?
- Ja, sie klingt allerdings leiser und weicher als eine Westerngitarre mit Stahlsaiten. Für eine größere Runde im Freien ist eine Westerngitarre lauter, für kleine Gruppen reicht die Konzertgitarre völlig.
- Warum verstimmt sich die Gitarre draußen so schnell?
- Temperatur- und Feuchtigkeitswechsel lassen Holz und Saiten arbeiten. Wenn du die Gitarre aus einem warmen Raum in die kühle Abendluft bringst, ändert sich die Stimmung spürbar. Stimme deshalb nach einigen Minuten im Freien nach und zwischendurch noch einmal.
Weiterlesen
- Übungsplan
Ein Plan zum Abhaken: täglich rund 20 Minuten, vier Wochen, acht Akkorde, drei Schlagmuster, ein erstes Zupfmuster und am Ende ein komplettes Lied.
- Lieder mit 3 Akkorden
Drei Griffe, viele Lieder: welche Akkordfamilien Einsteigern am leichtesten fallen, welche traditionellen Lieder damit auskommen und wie du sie Schritt für Schritt übst.
- Kapodaster
Richtig aufsetzen, Tonart berechnen, Barré umgehen: wie der Kapodaster funktioniert und welche Griffe in welchem Bund welche Tonart ergeben.
Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.