Quintenzirkel für Gitarristen einfach erklärt
Welche Akkorde passen zusammen, in welcher Tonart steht ein Lied und welcher Kapobund hilft: Der Quintenzirkel beantwortet alle drei Fragen mit einem Blick.
Der Quintenzirkel ist eine Landkarte der Tonarten. Er zeigt auf einen Blick, welche Akkorde zu einer Tonart gehören, wie viele Kreuze oder B-Vorzeichen sie hat und wie du ein Lied in eine andere Tonart verschiebst. Für Gitarristen ist der praktische Nutzen größer als die Theorie: Wer den Zirkel lesen kann, findet die passenden Akkorde zu einem Lied, ohne jeden Griff auswendig zu wissen.
Wie der Quintenzirkel aufgebaut ist
Eine Quinte ist der Abstand von fünf Stufen der Tonleiter, auf dem Griffbrett sind das sieben Halbtöne, also sieben Bünde. Von C aus eine Quinte aufwärts liegt G, von G aus D, von D aus A und so weiter. Ordnet man die Tonarten in dieser Folge im Kreis an, landet man nach zwölf Schritten wieder bei C.
Im Uhrzeigersinn kommt mit jedem Schritt ein Kreuz hinzu, gegen den Uhrzeigersinn ein B. Unten im Kreis treffen sich beide Seiten: Fis-Dur und Ges-Dur klingen gleich und werden nur unterschiedlich notiert.
| Dur | Moll-Parallele | Vorzeichen |
|---|---|---|
| C | a | keine |
| G | e | 1 Kreuz (Fis) |
| D | h | 2 Kreuze (Fis, Cis) |
| A | fis | 3 Kreuze |
| E | cis | 4 Kreuze |
| H | gis | 5 Kreuze |
| Fis / Ges | dis / es | 6 Kreuze oder 6 B |
| Des | b | 5 B |
| As | f | 4 B |
| Es | c | 3 B |
| B | g | 2 B (B, Es) |
| F | d | 1 B (B) |
Die Kreuze kommen immer in derselben Reihenfolge hinzu: Fis, Cis, Gis, Dis, Ais, Eis. Bei den B-Vorzeichen ist es umgekehrt: B, Es, As, Des, Ges, Ces. Eine verbreitete Eselsbrücke für die Kreuz-Tonarten lautet „Geh Du Alter Esel, Hole Fisch“ für G, D, A, E, H, Fis.
Akkordfamilien ablesen
Das ist der wichtigste Trick für die Liedbegleitung. Suche die Tonart des Liedes im Zirkel. Sie selbst und ihre beiden Nachbarn sind die drei Durakkorde der Tonart. Die drei Moll-Parallelen dieser drei Felder sind die drei Mollakkorde.
Am Beispiel G-Dur: Die Nachbarn sind C (links) und D (rechts). Die Parallelen sind e-Moll, a-Moll und h-Moll. Damit hast du die sechs Akkorde, aus denen ein Großteil aller Lieder in G-Dur besteht.
In der Musiktheorie bekommen die Akkorde Stufennummern. Die Tonika ist die I, die Subdominante die IV, die Dominante die V. Die Mollakkorde sind die II, III und VI.
| Tonart | I | II | III | IV | V | VI |
|---|---|---|---|---|---|---|
| C-Dur | C | Dm | Em | F | G | Am |
| G-Dur | G | Am | Hm | C | D | Em |
| D-Dur | D | Em | Fism | G | A | Hm |
| A-Dur | A | Hm | Cism | D | E | Fism |
| E-Dur | E | Fism | Gism | A | H | Cism |
| F-Dur | F | Gm | Am | B | C | Dm |
Die Tabelle zeigt auch, warum G- und D-Dur bei Gitarristen so beliebt sind: Fast alle Akkorde dieser Tonarten lassen sich offen greifen, nur Hm und Fism verlangen einen Barré oder eine vereinfachte Form. In E-Dur oder F-Dur kommen dagegen schnell mehrere Barréakkorde zusammen. Die offenen Griffe zu den Akkorden stehen im Ratgeber Gitarrenakkorde.
Molltonarten im Zirkel
Für Lieder in Moll funktioniert der Zirkel genauso, du liest nur den inneren Ring. a-Moll hat dieselben Vorzeichen wie C-Dur und deshalb auch dieselbe Akkordfamilie: Am, Dm, Em, F, G und C. Ein Mollstück verwendet diese Akkorde nur mit einem anderen Schwerpunkt, Anfang und Schluss liegen auf Am.
Eine Besonderheit kennen viele aus dem Gehör: In Molltonarten wird die Dominante häufig als Durakkord gespielt, in a-Moll also E oder E7 statt Em. Der Durakkord erzeugt mehr Zug zurück zur Tonika. Taucht in einem Mollstück plötzlich ein E-Dur auf, ist das kein Fehler im Liedblatt, sondern genau dieser Effekt. Für e-Moll gilt entsprechend H7, für d-Moll A oder A7.
Die Dominante und der Septakkord
Die V. Stufe, also der rechte Nachbar, hat eine besondere Rolle. Sie erzeugt Spannung, die sich zur Tonika hin auflöst. Diese Wirkung wird stärker, wenn du die Dominante als Septakkord spielst: in C-Dur also G7 statt G, in G-Dur D7 statt D. Viele Volks- und Kinderlieder bestehen fast nur aus Tonika, Dominantseptakkord und Subdominante. Wer diese drei Griffe in einer Tonart beherrscht, kann Hunderte Lieder begleiten.
Die Tonart eines Liedes bestimmen
Steht über einem Liedblatt keine Tonart, hilft der Zirkel beim Erraten:
- Alle Akkorde sammeln, die im Lied vorkommen.
- Im Zirkel suchen, welche Tonart möglichst viele davon als Familie enthält.
- Schlussakkord prüfen: Viele Lieder enden auf der Tonika. Bei Mollliedern ist das der Mollakkord, bei Durliedern der Durakkord.
Beispiel: Ein Lied nutzt C, G, Am und F. Alle vier gehören zu C-Dur. Endet das Lied auf C, steht es in C-Dur. Endet es auf Am und klingt traurig, steht es in a-Moll, der Parallele mit denselben Akkorden.
Transponieren: Lieder in eine andere Tonart verschieben
Ist ein Lied zu hoch oder zu tief zum Singen, verschiebst du alle Akkorde um denselben Abstand. Der Zirkel macht das leicht: Wanderst du einen Schritt im Uhrzeigersinn, wird aus jedem Akkord sein rechter Nachbar.
| Original in G-Dur | einen Schritt weiter (D-Dur) | einen Schritt zurück (C-Dur) |
|---|---|---|
| G | D | C |
| C | G | F |
| D | A | G |
| Em | Hm | Am |
| Am | Em | Dm |
Die Mollakkorde wandern innen genauso mit. Ein Schritt im Zirkel entspricht allerdings einer Quinte, also einem großen Tonhöhensprung. Wer nur um einen Ganzton höher oder tiefer singen will, zählt besser die Halbtöne ab oder nutzt den Kapodaster.
Kapodaster und Quintenzirkel
Der Kapodaster verschiebt alle Griffe um so viele Halbtöne nach oben, wie er Bünde vom Sattel entfernt sitzt. Damit lassen sich auch unbequeme Tonarten mit den vertrauten offenen Griffen spielen:
| Gewünschte Tonart | Griffe aus | Kapo im Bund |
|---|---|---|
| As-Dur | G-Dur | 1 |
| B-Dur | A-Dur oder G-Dur | 1 oder 3 |
| H-Dur | A-Dur oder G-Dur | 2 oder 4 |
| Es-Dur | C-Dur | 3 |
| F-Dur | D-Dur oder C-Dur | 3 oder 5 |
| Fis-Dur | E-Dur oder D-Dur | 2 oder 4 |
Eine nette Verbindung zum Zirkel: Ein Schritt im Uhrzeigersinn entspricht sieben Halbtönen, also Kapo im siebten Bund. Ein Schritt gegen den Uhrzeigersinn entspricht fünf Halbtönen aufwärts, also Kapo im fünften Bund. Mit G-Griffen und Kapo im fünften Bund klingt das Lied in C-Dur, mit D-Griffen und Kapo im siebten Bund in A-Dur. In hohen Bünden klingt die Gitarre heller und dünner, was bei einem zweiten Begleitinstrument gewollt sein kann. Wie du den Kapodaster richtig setzt, erklärt der Artikel Kapodaster richtig benutzen.
Der Zirkel im Übungsalltag
Für die Praxis reicht ein kleiner Ausschnitt: C, G, D, A und E mit ihren Parallelen a, e, h, fis und cis. Präge dir für jede dieser Tonarten die Familie aus I, IV, V und VI ein, also zum Beispiel G, C, D und Em. Spiele die vier Akkorde in verschiedenen Reihenfolgen, dann wechselst du in die nächste Tonart im Zirkel. So lernst du gleichzeitig Akkordwechsel und Harmonielehre.
Wer die Familien kennt, hört nach einiger Zeit auch, welcher Akkord in einem Lied als Nächstes kommt. Das ist der Schritt vom Ablesen zum Begleiten nach Gehör, und der Quintenzirkel ist dafür das einfachste Werkzeug. Wie Noten, Tabs und Akkordsymbole zusammenspielen, fasst der Ratgeber Tabs und Noten lesen zusammen.
Fragen und Antworten
- Muss ich den Quintenzirkel auswendig lernen?
- Nicht vollständig. Für die Liedbegleitung reichen die Tonarten C, G, D, A und E mit ihren Akkordfamilien, weil sie mit offenen Griffen gut spielbar sind. Den Rest kannst du bei Bedarf nachschlagen oder über den Kapodaster lösen.
- Wie finde ich die Paralleltonart in Moll?
- Die parallele Molltonart liegt drei Halbtöne unter dem Grundton der Durtonart und hat dieselben Vorzeichen. Zu C-Dur gehört a-Moll, zu G-Dur e-Moll, zu D-Dur h-Moll. Auf der Gitarre ist das der sechste Akkord der Tonart.
- Warum heißt es im Englischen B statt H?
- Im Deutschen heißen die Stammtöne C, D, E, F, G, A, H, das um einen Halbton erniedrigte H heißt B. Im Englischen heißt das H dagegen B und unser B heißt B flat. Ein Akkord, der in englischen Quellen B heißt, ist bei uns also H-Dur.
- Hilft der Quintenzirkel auch beim Improvisieren?
- Ja. Er zeigt, welche Töne und Akkorde zu einer Tonart gehören. Wer über eine Akkordfolge in G-Dur improvisiert, kann sich an der G-Dur-Tonleiter oder an der e-Moll-Pentatonik orientieren, weil beide zur selben Tonart passen.
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Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.