Rhythmus

Schlagmuster lernen: Von Viertel bis Sechzehntel

Wie du Schlagmuster liest, warum die Hand nie stehen bleibt und in welcher Reihenfolge du dich von Vierteln über Achtel und Shuffle bis zu Sechzehnteln steigerst.

Schlagmuster lernst du am sichersten in fünf Stufen: Viertel, durchgehende Achtel, Achtel mit Lücken, Dämpfer und Betonungen, Sechzehntel. Das Fundament ist in jeder Stufe gleich: Die Schlaghand pendelt ohne Pause auf und ab, und das Muster entsteht nur dadurch, welche Bewegungen die Saiten treffen. Wer dieses Prinzip verinnerlicht hat, kann neue Muster nach wenigen Minuten spielen, statt jedes einzeln auswendig zu lernen.

Die Grundmuster und das Zählen im Vierviertel- und Dreivierteltakt stellt die Übersicht Schlagmuster und Zupfmuster vor. Dieser Artikel zeigt, wie du von dort aus weiterkommst und in welcher Reihenfolge du übst.

Schlagmuster lesen: Die Notation

Schlagmuster werden in Songbüchern, Apps und Videos unterschiedlich aufgeschrieben. Die Zeichen bedeuten aber fast immer dasselbe:

Zeichen Bedeutung
↓ oder D Abschlag (Down), von der tiefen zur hohen Saite
↑ oder U Aufschlag (Up), von der hohen zur tiefen Saite
leer oder Punkt Hand pendelt ohne Saitenkontakt weiter
X gedämpfter Schlag, die Greifhand liegt locker auf den Saiten
> betonter Schlag, etwas kräftiger anschlagen
1 + 2 + Zählzeiten, das Plus steht für „und“

Wichtig ist die Zeile mit den Zählzeiten. Sie verrät, wo ein Schlag im Takt liegt. Ein Muster wie „Ab, Ab-Auf, Auf-Ab-Auf“ ist ohne Zählzeiten mehrdeutig, mit ihnen ist es eindeutig.

Das Pendelprinzip

Bei Achtelmustern geht die Hand auf jeder Zählzeit (1, 2, 3, 4) nach unten und auf jedem „und“ nach oben. Bei Sechzehnteln verdoppelt sich das Tempo der Bewegung, die Logik bleibt gleich. Daraus folgt eine einfache Regel: Ein Abschlag liegt immer auf einer Zählzeit, ein Aufschlag immer dazwischen. Stehen in einem Muster zwei Aufschläge hintereinander, liegt dazwischen ein Abschlag, der die Saiten verfehlt.

Prüfe das bei jedem neuen Muster, bevor du es spielst. Wer die Richtung jedes Schlags aus der Zählzeit ableitet, macht weniger Fehler als jemand, der die Pfeilfolge wie eine Telefonnummer auswendig lernt.

Stufe 1 und 2: Viertel und durchgehende Achtel

Vier Abschläge pro Takt sind der Ausgangspunkt. Sie sind langweilig, aber sie zeigen sofort, ob der Akkordwechsel pünktlich kommt. Danach folgen durchgehende Achtel: acht Schläge pro Takt, Ab und Auf im Wechsel.

Achte bei den Achteln auf zwei Dinge. Die Abschläge treffen alle Saiten des Akkords, die Aufschläge nur die drei oder vier hohen Saiten. Und die Aufschläge sind etwas leiser. Dadurch entsteht ein natürlicher Puls, ohne dass du bewusst betonen musst.

Ziel der Stufe: zwei Akkorde im Wechsel, je ein Takt durchgehende Achtel, gleichmäßig über eine Minute.

Stufe 3: Achtel mit Lücken

Jetzt lässt du einzelne Schläge aus, während die Hand weiterpendelt. Der bekannteste Vertreter, das Muster mit der ausgelassenen Drei, steht in der Übersicht. Zwei weitere Varianten erweitern das Repertoire:

Variante A: Ab auf der Eins, danach Achtel. Ruhiger Einstieg, gut für Balladen.

Zählzeit:  1   +   2   +   3   +   4   +
Schlag:    ↓       ↓   ↑   ↓   ↑   ↓   ↑

Variante B: nur die Und-Zeiten. Eine reine Timing-Übung: Die Hand geht auf den Zählzeiten leer nach unten und trifft nur auf dem Weg nach oben. Wer das gleichmäßig schafft, hat das Pendeln wirklich verinnerlicht.

Zählzeit:  1   +   2   +   3   +   4   +
Schlag:        ↑       ↑       ↑       ↑

Zähle bei Stufe 3 unbedingt laut mit. Gerade bei Mustern mit Lücken neigt man dazu, die Pause zu verkürzen und zu früh weiterzuspielen.

Stufe 4: Dämpfer und Betonung

In vielen Pop- und Akustiksongs übernimmt die Gitarre einen Teil des Schlagzeugs. Auf der Zwei und der Vier, dort wo die Snare liegen würde, klingt ein kurzer, perkussiver Schlag statt eines Akkords. Für diesen Dämpfer gibt es zwei Wege: Entweder legt sich die Handkante der Schlaghand beim Abschlag auf die Saiten, oder die Greifhand löst den Druck, sodass die Saiten nur noch gedämpft klicken.

Zählzeit:  1   +   2   +   3   +   4   +
Schlag:    ↓       X   ↑       ↑   X   ↑

Fange mit dem Dämpfer allein an: vier Abschläge pro Takt, auf der Zwei und Vier gedämpft. Erst wenn der Wechsel zwischen klingendem und gedämpftem Schlag ohne Nachdenken klappt, kommen die Aufschläge dazu.

Die Betonung ist das zweite Werkzeug. Spiele dasselbe Achtelmuster einmal mit Betonung auf der Eins und einmal auf Zwei und Vier. Du wirst hören, dass das gleiche Muster einmal nach Marsch, einmal nach Popsong klingt.

Shuffle: Wenn die Achtel ungleich werden

In Blues, Rock ’n’ Roll, Country und vielen Swing-Stücken sind die Achtel nicht gleich lang. Der Schlag auf der Zählzeit dauert länger, der auf dem „und“ ist kürzer und kommt etwas später. Man spricht von Shuffle oder Swing-Feeling. In der Notation steht dafür oft ein Hinweis am Anfang des Stücks, die Achtel selbst sehen aus wie gewöhnliche Achtel.

Am leichtesten lernst du das Gefühl, wenn du jede Zählzeit in drei Teile teilst und „1 2 3, 2 2 3“ zählst. Angeschlagen werden nur der erste und der dritte Teil: lang, kurz, lang, kurz. Das Pendelprinzip bleibt, nur der Aufschlag wandert ein Stück nach hinten.

Stufe 5: Sechzehntel

Bei Sechzehnteln wird jede Zählzeit in vier Teile geteilt. Im Deutschen zählt man meist „1 e + e, 2 e + e“. Die Hand geht auf der Zählzeit und auf dem „und“ nach unten, auf beiden „e“ nach oben. Sie pendelt also doppelt so schnell wie bei Achteln, weshalb das Tempo anfangs deutlich niedriger sein muss.

Ein typisches Sechzehntelmuster für Pop und Funk, Zählzeit für Zählzeit gelesen:

Zählzeit:  1 e + e   2 e + e   3 e + e   4 e + e
Schlag:    ↓   ↓ ↑     ↑ ↓ ↑   ↓   ↓ ↑   X   ↓ ↑

Halbiere zum Üben das Metronomtempo, das du für Achtel nutzt. Spiele zuerst durchgehende Sechzehntel auf gedämpften Saiten, damit die Hand nur die Bewegung lernt. Dann öffnest du die Greifhand und lässt einzelne Schläge aus. Sechzehntel kommen aus einer kleinen, lockeren Bewegung des Handgelenks. Wer den ganzen Unterarm bewegt, verkrampft bei höherem Tempo schnell.

Der Stufenplan zum Abhaken

Stufe Inhalt Weiter, wenn
1 Viertel mit Akkordwechsel Wechsel kommt pünktlich auf die Eins
2 durchgehende Achtel Aufschläge so gleichmäßig wie Abschläge
3 Achtel mit Lücken, Varianten A und B Pausen werden nicht verkürzt
4 Dämpfer auf 2 und 4, Betonung Dämpfer klingt kurz und klar, ohne Tonreste
5 Shuffle Lang-kurz-Gefühl bleibt bei Akkordwechsel stabil
6 Sechzehntel Muster läuft eine Minute ohne Stocken

Für jede Stufe gilt dieselbe Reihenfolge: erst mit einem Akkord, dann mit einem Wechsel pro Takt, dann mit einer echten Akkordfolge aus einem Lied. Das Metronom stellst du so langsam ein, dass alles fehlerfrei gelingt, und erhöhst erst nach mehreren sauberen Durchgängen. Wie du die Tempoerhöhung planst, erklärt der Artikel Metronom üben.

Plektrum und Anschlag

Für Schlagmuster eignet sich ein eher dünnes bis mittleres Plektrum, weil es beim Überstreichen der Saiten nachgibt und weniger hakt. Harte Plektren eignen sich besser für Einzeltöne und Riffs. Welche Stärken es gibt und wofür sie taugen, steht im Ratgeber Plektrum-Stärken. Halte das Plektrum locker. Wenn es dir bei jedem dritten Schlag aus der Hand rutscht, hältst du es zu weit vorne, nicht zu locker.

Typische Fehler beim Steigern

  • Zu früh zu schnell: Wer Sechzehntel übt, bevor Achtel mit Lücken sicher sitzen, baut Unsicherheit auf. Jede Stufe braucht Zeit.
  • Muster ändert sich beim Akkordwechsel: Die Hand spielt beim Wechsel ein anderes Muster als im Takt davor. Lösung: Wechsel isoliert üben und auf dem letzten Aufschlag die Leersaiten mitnehmen.
  • Nur Abschläge: Manche umgehen schwierige Aufschläge, indem sie alles nach unten spielen. Das funktioniert bei langsamen Liedern, bricht aber bei höherem Tempo zusammen.
  • Kein Zählen: Ohne gezählten Puls rutschen die Schläge unmerklich. Laut zählen fühlt sich anfangs albern an und ist trotzdem der schnellste Weg.
Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wie lese ich Schlagmuster mit Pfeilen?
Ein Pfeil nach unten ist ein Abschlag von der tiefen zur hohen Saite, ein Pfeil nach oben ein Aufschlag in die Gegenrichtung. Die Zeile darüber nennt die Zählzeiten. Steht unter einer Zählzeit nichts, pendelt die Hand trotzdem weiter, trifft die Saiten aber nicht.
Welches Schlagmuster passt zu welchem Lied?
Das hängt von Taktart und Tempo ab. Für die meisten Pop- und Folksongs im Viervierteltakt passt ein Achtelmuster mit ausgelassener Drei, für Walzer und viele Volkslieder ein Muster im Dreivierteltakt. Am zuverlässigsten ist es, das Original zu hören und erst einmal nur die Abschläge auf den Zählzeiten mitzuspielen.
Warum klingt mein Schlagmuster abgehackt?
Meist stoppt die Schlaghand in den Pausen oder setzt nach jedem Schlag neu an. Lass sie durchgehend pendeln, auch wenn sie die Saiten nicht trifft. Hilfreich ist außerdem, die Aufschläge leiser zu spielen und nur die hohen Saiten zu treffen.
Brauche ich für Schlagmuster ein Plektrum?
Nein, du kannst auch mit Daumen oder Zeigefingernagel anschlagen, auf der Konzertgitarre ist das sogar üblich. Ein dünnes bis mittleres Plektrum macht gleichmäßige Auf- und Abschläge für viele Einsteiger aber leichter, besonders auf Stahlsaiten.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.