Kurse und Apps

YouTube oder Kurs: Wie man kostenlos sinnvoll Gitarre lernt

Kostenlose Videos reichen für einen soliden Einstieg, wenn du einer Reihe folgst und einen eigenen Plan hast. Wann sich ein bezahlter Kurs trotzdem lohnt.

Kostenlos Gitarre lernen klappt mit YouTube erstaunlich gut, wenn du drei Regeln beachtest: einer einzigen Anfängerreihe folgen, nach einem eigenen Wochenplan üben und dich regelmäßig selbst aufnehmen. Ein bezahlter Kurs bringt vor allem Struktur, Begleitmaterial und manchmal Rückmeldung. Er lohnt sich, wenn du dich mit freien Videos verzettelst, nicht aber als Ersatz für das eigene Üben.

Dieser Artikel hilft dir bei der Entscheidung und zeigt, wie du das Videolernen so organisierst, dass es nicht beim Zuschauen bleibt. Wir verkaufen keine Kurse und empfehlen keine einzelnen Kanäle. Einen Überblick über alle Online-Lernwege bietet der Vergleich Online-Gitarrenkurse und Apps.

YouTube und Kurs im direkten Vergleich

Kriterium Kostenlose Videos Bezahlter Online-Kurs
Kosten keine, eventuell Werbung Einmalzahlung oder Abo
Reihenfolge musst du selbst herstellen fester Lehrplan
Auswahl riesig, alle Stile auf das Kursprogramm begrenzt
Qualität schwankt stark meist gleichmäßiger, aber nicht garantiert
Begleitmaterial teils vorhanden, teils hinter Bezahlschranke Tabs, Übungspläne, Backing Tracks häufig dabei
Rückmeldung keine bei manchen Kursen über Aufnahmen oder Community
Ablenkung hoch durch Empfehlungen und Kommentare gering
Motivation hängt vollständig an dir Fortschrittsanzeige hilft etwas

Der größte Unterschied liegt nicht in der Qualität einzelner Lektionen, sondern im roten Faden. Ein Kurs nimmt dir die Entscheidung ab, was als Nächstes kommt. Bei YouTube musst du diese Aufgabe selbst übernehmen.

Die drei Regeln für das Lernen mit Videos

1. Eine Reihe statt hundert Einzelvideos

Viele Lehrende bieten komplette Anfängerreihen als Playlist an, die aufeinander aufbauen. Such dir eine aus, die zu deiner Gitarrenart und deinem Musikstil passt, und bleib dabei. Wer zwischen Kanälen springt, bekommt jede Woche einen anderen Weg zum G-Dur-Akkord erklärt, aber nie den nächsten Schritt.

2. Ein eigener Plan

Lege fest, was du in welcher Woche lernst, und plane jede Übungseinheit vorher. Ohne Plan entscheidet der Empfehlungsalgorithmus, was du übst. Eine Vorlage für die ersten Wochen bietet der Übungsplan.

3. Mitspielen und aufnehmen

Zuschauen fühlt sich nach Lernen an, ist aber keines. Pausiere das Video nach jedem Schritt und spiele mit. Nimm dich einmal pro Woche mit der Handykamera auf und vergleiche Haltung, Griff und Rhythmus mit dem Video. Das ersetzt einen Teil der fehlenden Rückmeldung.

Woran du gute Lernvideos erkennst

  • Beide Hände sind gut zu sehen, idealerweise mit Nahaufnahme von Greif- und Anschlagshand.
  • Langsames Tempo: Neue Griffe und Muster werden erst langsam gezeigt, dann im Liedtempo.
  • Klare Angaben: Fingersatz, Saite, Bund und Rhythmus werden genannt, nicht nur vorgespielt.
  • Übungen zum Mitspielen: Das Video lässt dir Zeit oder bietet Wiederholungsschleifen.
  • Erkennbarer Aufbau: Die Lektion verweist auf die vorige und die nächste.
  • Kapitelmarken und Material: Tabs oder Akkordblätter in der Beschreibung erleichtern das Üben.

Skeptisch solltest du bei Versprechen wie „in einer Woche zum Profi“ oder bei Videos sein, die vor allem auf einen Kauf am Ende hinarbeiten. Seriöse Lehrende sagen offen, dass Fortschritt Zeit und regelmäßiges Üben braucht.

Ein 8-Wochen-Plan für das Videolernen

Der Plan geht von etwa 15 bis 20 Minuten Übungszeit an fünf Tagen pro Woche aus. Passe das Tempo an deinen Fortschritt an, nicht an den Kalender.

Woche Schwerpunkt Ziel am Ende der Woche
1 Haltung, Stimmen, erste Töne Gitarre stimmen, entspannt halten, einzelne Saiten sauber anschlagen
2 erste Akkorde zwei einfache Akkorde wie E-Moll und A-Moll klingen sauber
3 Akkordwechsel und Viertel-Schlag Wechsel im langsamen Tempo ohne Pause
4 weitere Akkorde D-Dur und C-Dur dazu, erstes einfaches Lied
5 Schlagmuster ein Achtel-Schlagmuster mit Metronom
6 G-Dur und Liedbegleitung ein Lied mit drei bis vier Akkorden durchspielen
7 Zupfmuster oder Riffs je nach Stil ein einfaches Zupfmuster oder Powerchord-Riff
8 Wiederholung und Aufnahme zwei Lieder aufnehmen und mit Woche 1 vergleichen

Jede Übungseinheit kann gleich aufgebaut sein: kurz einspielen, das neue Thema aus dem Video, dann Wiederholung des Bekannten und zum Schluss ein Lied. Tipps für das Selbstlernen ohne Lehrkraft, inklusive typischer Fehler, findest du im Artikel Gitarre selbst beibringen.

Passt das Video zu deiner Gitarre?

Nicht jede Lektion lässt sich eins zu eins übertragen. Achte bei der Auswahl einer Reihe auf diese Punkte:

  • Gitarrenart: Auf der Konzertgitarre mit Nylonsaiten wird meist mit den Fingern angeschlagen, auf Western- und E-Gitarre oft mit Plektrum. Eine Reihe für deine Gitarrenart erspart dir viel Umdenken.
  • Musikstil: Liedbegleitung, Fingerstyle, Rock oder Klassik setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Wähle eine Reihe, deren Beispiellieder du selbst gern spielen würdest.
  • Linkshänder: Wer eine Linkshänder-Gitarre spielt, muss Videos im Kopf spiegeln. Manche Lehrende zeigen ihre Lektionen auch für Linkshänder.
  • Sprache und Begriffe: Englischsprachige Videos nennen den Ton H „B“. Wer das weiß, kommt mit vielen internationalen Lektionen gut zurecht.

Typische Fehler beim Lernen mit Videos

Fehler Folge Besser
jeden Tag ein anderes Video kein Aufbau, Grundlagen fehlen einer Anfängerreihe folgen
nur zuschauen, nicht mitspielen gefühlter statt echter Fortschritt nach jedem Schritt pausieren und spielen
zu schnell zum nächsten Video Griffe und Wechsel sitzen nicht erst weiter, wenn die Übung sauber klappt
Haltung nie überprüfen Fehler setzen sich fest einmal pro Woche selbst filmen
nur Lieder, keine Technik Wechsel und Rhythmus stocken Technikübungen fest einplanen
Kommentare und Empfehlungen lesen Übungszeit geht verloren Video im Vollbild, Empfehlungen ausblenden

Besonders der letzte Punkt wird unterschätzt. Wer neben der Gitarre durch Vorschläge scrollt, übt am Ende deutlich weniger, als er glaubt. Lade dir die Lektion für die heutige Einheit vorher heraus oder öffne nur die eine Playlist, mit der du gerade arbeitest.

Wann sich ein bezahlter Kurs lohnt

Ein Kurs ist sinnvoll, wenn mindestens einer dieser Punkte auf dich zutrifft:

  • Du verlierst dich bei YouTube regelmäßig in Empfehlungen und Einzelvideos.
  • Du weißt nach einigen Wochen nicht mehr, was du als Nächstes üben sollst.
  • Du möchtest Begleitmaterial wie Tabs, Backing Tracks und Übungspläne an einem Ort.
  • Der Kurs bietet Rückmeldung auf eigene Aufnahmen, die du nutzen willst.
  • Dich motiviert es, Geld investiert zu haben, und du arbeitest Lektionen dann konsequenter ab.

Vor dem Kauf solltest du Probelektionen ansehen und prüfen, ob dir Stil und Erklärweise liegen. Bei Abos gilt: Ende der Testphase notieren und den Kündigungsweg vorher kennen.

Kostenlose Ergänzungen außerhalb von YouTube

Videos sind nicht die einzige kostenlose Quelle. Öffentliche Bibliotheken haben oft Gitarrenschulen und Liederbücher zum Ausleihen, manchmal auch als digitale Ausleihe. Stimm- und Metronom-Apps gibt es kostenlos. Und gemeinsames Spielen mit Freunden, in offenen Musikgruppen oder bei Sessions kostet nichts, bringt aber viel für Rhythmus und Motivation.

Die beste Lösung ist oft eine Mischung

Viele kommen am besten mit einer Kombination voran: kostenlos starten, nach einigen Wochen prüfen, wo es hakt, und dann gezielt ergänzen. Fehlt der rote Faden, hilft ein Kurs. Fehlt die Kontrolle von außen, helfen einzelne Unterrichtsstunden, in denen eine Lehrkraft Haltung und Technik prüft. Wer so vorgeht, gibt nur dort Geld aus, wo es wirklich einen Unterschied macht.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Kann man mit YouTube wirklich Gitarre lernen?
Ja. Viele Gitarristinnen und Gitarristen haben die Grundlagen mit kostenlosen Videos gelernt. Entscheidend ist, nicht wahllos zwischen Videos zu springen, sondern einer aufbauenden Reihe zu folgen, mitzuspielen statt nur zuzuschauen und Haltung und Klang regelmäßig selbst zu überprüfen.
Woran erkenne ich ein gutes Gitarren-Video?
Gute Lernvideos zeigen beide Hände deutlich, erklären langsam und in Schritten, nennen Fingersätze und Rhythmus und geben Übungen zum Mitspielen. Hilfreich sind Kapitelmarken, Begleitmaterial wie Tabs oder Akkordblätter und eine erkennbare Reihenfolge innerhalb einer Playlist.
Wann lohnt sich ein bezahlter Online-Kurs?
Wenn du merkst, dass du ohne roten Faden nicht vorankommst, wenn dir Begleitmaterial und Übungspläne fehlen oder wenn ein Kurs eine Rückmeldung auf eigene Aufnahmen anbietet. Nutze vor dem Kauf Probelektionen oder Testphasen und prüfe die Kündigungsbedingungen.
Was fehlt beim Lernen mit kostenlosen Videos?
Vor allem die Rückmeldung von außen. Ein Video sieht nicht, ob dein Handgelenk abknickt oder dein Daumen zu hoch sitzt. Eigene Videoaufnahmen und gelegentliche Kontrollstunden bei einer Lehrkraft gleichen das zum Teil aus.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.